Die südsudanesischen Gemeinschaften leben meist in halb-unabhängigen Gehöften und bilden ihre Dörfer, in denen in der Regel enge und erweiterte Verwandte wohnen. Ihre Gesellschaften in Sippen oder Clans werden von einem König oder Häuptling angeführt, abhängig von der Struktur der jeweiligen ethnischen Gemeinschaft.

Im Südsudan gibt es das Christentum, den Islam und indigene Religionen. Einige Gemeinden glauben auch an die Macht der Geister. Folglich werden auch Wahrsager, Regenmacher oder Speer-Meister in diesen Gemeinden verehrt.

Die Südsudanesen essen traditionell zusammen, jedoch getrennt nach Geschlecht, Alter und sozialem Status. Zur täglichen Nahrung gehört eine Vielzahl von zuweilen auch importierten Lebensmitteln. Einige ihrer Grundnahrungsmittel sind Milch, Rindfleisch, Honig, Fisch, Lamm, auch traditionelle Kräuter sowie Gemüse, Erdnüsse, Bohnen, Wild-, Sesam- und Finger-Hirse.

Traditional South Sudanese Dancers

Traditionelle südsudanesische Tänzer

Traditionell gibt es eine klare Arbeitsteilung nach Geschlecht, Alter und sozialem Status. Männer sind in der Regel für die Bekämpfung von Eindringlingen und die Verteidigung der Familie zuständig, während Frauen im Haushalt tätig sind und sich um die Kinder kümmern.

Alle Gemeinden praktizieren irgendeine Form von Initiationsriten bis in das Erwachsenenalter hinein, so etwa das Entfernen der unteren Zähne, Gesichtsmarkierungen, das Tragen spezieller Perlen oder Perlenketten oder die männliche Beschneidung (besonders unter den Bantu-Gruppen).

Die Hochzeit ist eine der wichtigsten Stationen im Leben der Südsudanesen, an der oft alle Mitglieder der näheren und weiteren Verwandtschaft teilnehmen, darunter besonders auch Verwandte mütterlicherseits. Noch häufig haben Jugendliche kein Mitspracherecht bei der Wahl der künftigen Ehepartner; die Eltern organisieren vielmehr die Ehe ihrer Kinder.

Verschiedene Gemeinden haben zudem diverse Riten für die Zeit während der Ehe entwickelt. Der Austausch von Geschenken zwischen den Familien ist üblich. Bis heute erhalten hat sich der Braut-Preis (Mitgift) als ein wichtiges Element der Eheschließung.

Eine Heirat bewirkt normalerweise eine tiefe Bindung zwischen den beteiligten Familien, was eine Scheidung fast unmöglich macht, außer bei einer sehr ernsten Angelegenheit. Im Falle einer Scheidung wird die gesamte Mitgift oder doch ein großer Teil davon an den Mann und dessen Familie zurückgegeben.

Die Geburt eines Kindes wird nach bestimmten Riten gefeiert, jeweils abhängig von der Gemeinde und dem Geschlecht des Kindes. Kinder werden in der Regel je nach der Jahreszeit, nach besonderen Ereignissen oder nach Verwandten benannt. Aufgrund des hohen Status von Rindern in den meisten Gemeinden können Kinder sogar nach der Farbe der Rinder benannt werden. Jungen nehmen oft als Namen die Farbe von Bullen an, während Mädchen nach der Farbe von Kühen benannt werden.